Informationen für den Tierarzt

Ein neues Tätigkeitsfeld empfiehlt sich für eine interessante und gedeihliche Zusammenarbeit...

Im Detail:

Die von der ÖGVPT (Österreichischen Gesellschaft für Veterinär Physiotherapie) mit Sitz in Kärnten administrativ durchgeführte Ausbildung zum/zur: Kleintierphysiotherapeut/In ist in einer Ausbildungsverordnung des Verbandes (ÖGVPT - KTP – Lehrplan und Modulordnung) festgeschrieben. Diese wurde von akademischen Fachkräften (Tier– und Humanärzten, Fachtierärzten, Naturwissenschaftlern sowie Human– und Tierphysiotherapeuten) erarbeitet und festgelegt.

Die Ausbildung steht unter einer tierärztlichen Gesamtleitung und wird auch von Tierärzten sowie Fachtierärzten in den jeweiligen Fachbereichen unterrichtet.

Der dazu gegründeten Verband: ÖGVPT (Österreichischen Gesellschaft für Veterinär Physiotherapie) als behördlich eingetragener Verein mit entsprechenden Ausbildungsstätten hat seinen Stammsitz in Villach. Er dient als Aus– und Weiterbildungskoordinator, als Organ zur Qualitätssicherung der Ausbildung und als ständiger Ansprechpartner und Vermittler für alle Parteien in allen Belangen betreffend der Ausbildung wie auch der Tätigkeiten der Absolventen und Verbandsmitglieder.

Die Kleintierphysiotherapie  
ÖGVPT geprüfte Kleintierphysiotherapeuten stehen dem Veterinärmediziner/Innen am kranken oder verletzten Tier als fachkundige Hilfesteller zur Seite. Anwendungen um kranken oder verletzten Tier durfen nur auf Anweisung und unter Aufsicht des Tierarztes erfolgen.

Im Modus

Der Ausbildungsductus in den jeweiligen Fächern (Kleintierphysiotherapie) ist auf eine Lehrzeit von 14 Monate eingerichtet. Davon entfallen 12 Monate (2 Semester) mit ca. insges. 680 UE (Unterrichtseinheiten) auf physische Vorlesungstätigkeiten, 2 Monate dienen der Vorbereitung für die kommissionelle Abschlussprüfung mit Kompendien der relevanten Prüfungsmodule. Zwischenklausuren der jeweiligen Fächer während der Ausbildung durch die leitenden Vortragenden (Mediziner und Naturwissenschaftler) dienen der Qualitätssicherung. Der zuständige Verband (ÖGVPT) stellt nach erfolgreicher Absolvierung der komm. Abschlussprüfungen den Ausbildungsnachweis (Qualifikationsausweis) aus. Dieser Ausweis trägt neben dem Lichtbild und pers. Daten des Inhabers den Stempel der ÖGVPT-Akademie und des Verbandes (ÖGVPT) und gibt im Detail an, welche Ausbildungen absolviert wurden. Der Ausweis erleichtert den Beteiligten (Tierärzten, Tierbesitzern) die Zuordnung nach Person und Qualifikation nach der Ausbildung in der freien Praxis. Ebenso verpflichtet sich der Absolvent schriftlich, genau nach den gesetzlichen Vorgaben und Bestimmungen des Bundesgesetzes wie auch des Tierschutzes zu handeln. Er bleibt Mitglied im Hauptverband. Zuwiderhandlungen (Kurpfuscherei im Sinne von Diagnosestellungen und Heilbehandlungen ohne tierärztlicher Konsultation und schriftlicher Zuweisung, paramedizinische Heilbehandlungen, Verkauf von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln, welche nicht über den Bezug durch den Tierarzt abgegeben werden, wie auch Behandlungen und /oder Bezeichnungen, welche nicht im Ausbildungsrahmen enthalten sind) werden mit dem sofortigen Einzug des Ausbildungsausweises (mit Meldung an die Tierärztekammer) durch den zuständigen Verband geahndet.

Eine bereits entwickelte Haftpflichtversicherung für ÖGVPT Kleintierphysiotherapeuten schließt eine Versicherungsleistung ohne Tierärztlicher Zuweisung am kranken Tier für den Kleintierphysiotherapeuten aus.

Tätigkeitsfeld des Kleintierphysiotherapeuten:  Der wesentliche Schwerpunkt im Arbeitsalltag der von der ÖGVPT ausgebildeten Kleintierphysiotherapeuten liegt in der direkten Kooperation mit den Tierärzten. Die Aufgabe des Tierarztes ist es, vor Beginn einer Behandlung als Hilfesteller zum Tierarzt durch den Kleintierphysiotherapeuten, entsprechend die Diagnose und Verordnung/Anweisung zu erstellen. Sämtliche Behandlungen mit Verordnung bzw. Diagnosestellung durch den Tierarzt (z. B. bei krankhaften Veränderungen im Bewegungsapparat) oder ohne zwingende Verordnung (z.B. bei Entspannungsmassagen udgl…) müssen nachweislich vom Kleintierphysiotherapeuten dokumentiert werden. Bei Tierärztlich angewiesenen Behandlungen ist die Dokumentation dem Tierarzt wie auch dem Tierbesitzer (abschriftlich gleich) nach dem Behandlungsblock auf Verlangen, auszuhändigen.

In jedem Fall ist der Kleintierphysiotherapeut verpflichtet, mögliche krankhafte Veränderungen, welche er auch bei der Behandlung von anscheinend gesunden Tieren erkennt (Wellness, Energiearbeit) dem Tierbesitzer zu melden und eine tierärztliche Konsultation nachweislich (schriftlich) zu empfehlen.

Es ist dem Kleintierphysiotherapeuten in jedem Fall untersagt, auf Verdacht oder in eigenem Ermessen eine Behandlung einzuleiten und /oder durchzuführen. Kleintierphysiotherapeutische Befunderstellungen werden durch den Kleintierphysiotherapeuten nur zum Zwecke der Wahl der Therapiemittel (Art der Anwendung) oder für die Dokumentation im Behandlungsverlauf und auf Anweisung des Tierarztes, eigenständig und unter der Kontrolle des Tierarztes am Tier durchgeführt. Änderungen im kontrollierten Behandlungsablauf am erkrankten Tier erfolgen nur nach nachweislicher und dokumentierter Rücksprache mit dem Tierarzt. Keinesfalls dürfen Befunde zur Erkennung oder Klassifizierung von Erkrankungen durch den Kleintierphysiotherapeuten eigenständig erstellt oder bekannt gegeben werden. Eine Diagnosestellung obliegt ausschließlich dem Tierarzt. Sämtliche, auch am gesunden Tier durchgeführten Maßnahmen sind zu dokumentieren und auf Verlangen dem behandelnden Tierarzt zuzustellen.

Alle in unserem Ausbildungskatalog angebotenen Anwendungsarten wurden mehrfach von Tierärzten geprüft und sind ausschließlich im Kontext zu einer suffizienten physiotherapeutischen Behandlung am Tier anzusehen. Es wurde im Vorfeld der Zusammenstellung der Behandlungsarten besonderes Augenmerk auf mögliche Schnittstellen zu Tätigkeiten, welche dem Tierarzt vorbehalten sind, gelegt. Eine gesetzeskonforme und klar definierte Aufgabenvergabe an den Kleintierphysiotherapeuten (Massage, Gymnastik, Training) sehen wir als selbstverständliche Grundlage für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit dem von Ihnen vertretenen Berufsstand an.

Zusammenarbeitsmodell für Ärzte und Kleintierphysiotherapeuten

Grundsätze:

Die Behandlungshoheit am Tier trägt der Tierarzt. 
In Österreich nach den vorgegebenen Qualitäts- und Ausbildungsrichtlinien der ÖGVPT geprüfte und ausgebildete Kleintierphysiotherapeuten haben eine Registrierungsnummer und tragen einen aktuellen Ausbildungsausweis der vom Tierarzt kontrolliert werden kann. Das Verhalten dieser Fachkräfte am Tier und in der Zusammenarbeit mit dem Tierarzt wird in einem für die Therapeuten verbindlichen Kodex und in einer Qualitätssicherungs- Richtlinie geregelt.

Haftung für die Kleintierphysiotherapeutische Dienstleistung:

Die speziell für die in Österreich von der ÖGVPT ausgebildeten Kleintierphysiotherapeuten gestaltete Haftpflichtversicherung (UNIQA) schließt eine Haftung für Behandlungen durch den Kleintierphysiotherapeuten am kranken Tier ohne tierärztlicher Zuweisung aus. Die Kleintierphysiotherapeuten arbeiten eigenverantwortlich aber nur auf Anweisung und Aufsicht des Tierarztes am kranken Tier.

Zuweisung: 

Die Anweisung für eine Kleintierphysiotherapie erfolgt ausnahmslos vom behandelnden Tierarzt.

Wahl der Therapiemittel:

Der/die Kleintierphysiotherapeutin ist angehalten, dem behandelnden Tierarzt auf Wunsch eine Wahl der Therapiemittel vorzuschlagen.

Behandlungsablauf:

Der Behandlungsablauf ist für den ÖGVPT geprüften Kleintierphysiotherapeuten genau und verbindlich geregelt.

ÖGVPT geprüfte Kleintierphysiotherapeuten arbeiten streng nur nach Anweisung und ständiger Aufsicht des Tierarztes am kranken und/oder verletzten Tier.

Veränderungen der Therapiemittel sind ebenso wie der Abbruch oder Pausen im Behandlungsductus vom Therapeuten an den Tierarzt unverzüglich zu melden. Der/die ÖGVPT Kleintierphysiotherapeuten können auf Wunsch des Tierarztes  nach dem Behandlungsabschluss dem behandelnden Tierarzt einen Verlaufsbericht zustellen.

Zusätzlich: 
Zusatzverkäufe spezieller Nahrungsergänzungsmittel ist für ÖGVPT geprüfte Kleintierphysiotherapeuten nur über den direkten Bezug über den behandelnden Tierarzt gestattet. Die Verwendung von Arzneimitteln ist dem ÖGVPT geprüften Kleintierphysiotherapeuten strikt verboten. Ausnahmen stellen lediglich Öle und Lotionen dar, welche nicht als Arzneimittel gekennzeichnet sind.

ÖGVPT geprüfte Kleintierphysiotherapeuten sind durch den Verband und den Arbeitskodex angehalten, das Wirken von „Wanderheilern und Tierheilpraktikern“ wie auch anderen, Pseudo-Medizinern und sonstigen Scharlatanen unverzüglich an den Verband und an die Tierärzteschaft zu melden. ÖGVPT geprüfte Kleintierphysiotherapeuten sind dem aktiven Tierschutz verpflichtet.

Wir denken, mit diesen Vorgaben einen interessanten Partner für Ihre täglichen Bemühungen geschaffen zu haben.

Eine klare, dem Tierarzt in der Behandlungshirarchie am kranken Tier untergeordnete Stellung von ÖGVPT ausgebildeten Kleintierphysiotherapeuten im Wirken um die Gesundheit des Tieres sollte nicht nur den medizinischen Erfolg verbessern helfen, sondern zeigt sich auch durchaus als interessante Option im Sinne eines umfassenden Therapiekonzeptes für den täglichen Praxisalltag.

Gesetzeslage: In Österreich ist die Untersuchung und Behandlung von Tieren eine ausschließlich den Tierärzten vorbehaltene Tätigkeit. Abgesehen von der Tiermassage (mit Ausnahme der Heilmassagen) darf somit auch die erlernte Kleintierphysiotherapie nur in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt (Hilfestellung im Behandlungskontext) angewendet werden.

Gerne stehen wir ihnen jederzeit für weiterführende Anfragen zur Verfügung. 

Dr. Andreas SENDLHOFER, e.h. Tierärztlicher Leiter der ÖGVPT Tel.: 0676 7379497 oder Tel.: 0664 4444133