Lexikon der Therapiemittel und Krankheiten (kleiner Überblick)

Akupunktbehandlung/Therapie

Die Akupunkmassage am Tier ist - wie beim gegebenenfalls beim Menschen - nur bei funktionellen und reversiblen Erkrankungen indiziert (bereits bereits zerstört ist, kann durch die Akupunktur nicht wieder geheilt werden). Die Akupunktur selbst wurde in China schon 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung angewandt. Sie entstammt der alten chinesischen Heilkunst, nach der die Gesundheit eine ausgewogene Balance zwischen den sich ergänzenden und gegensetzlichen Prinzipien "Yin" und "Yang" ist. Demnach sind alle Krankheitssymptome Störungen im Fluss der Lebensenergie Chi (Qui). Die Lebensenergie ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Yin und Yang.

Gut einsetzbar ist die Akupunktmassage bei Schmerzen, Verdauungsbeschwerden, organischen Beschwerden u.v.m. Die Akupunkttherapie normalisiert Organfunktionen, die regulatorisch bzw. reflektorisch gestört sind, dazu zählen:

1. Funktionelle Störungen im Bereich des muskulären Bewegungsapparates, Funktionelle Störungen und Schmerzsyndrome im Bereich der Hüfte und der Oberschenkel, Schmerzsyndrome im Bereich der Vorderextremität, akuter traumatischer Schmerz, Inserationstendinosen, Myosen, Tendinosen u.a.
2. Beeinflussbare funktionelle innere Organerkrankungen: z.B.: Gastritis, Stoffwechselstörungen, Scheinträchtigkeit u.a.
3. Weiter Indikationen zur Akupunkturbehandlung sind: Hauterkrankungen, Regulation der hormonalen Sekretion u.a.

Arthrodese

Unter einer Arthrodese versteht man die operative Versteifung eines Gelenks in Funktionsstellung, z.B. auch bei hochgradiger Arthrose. Sie wird bei chronischer Gelenkinstabilität zur Lahmheitsbehebung eingesetzt. In Abhängigkeit der gewählten Operationsmethode unterscheidet man in die intra- und die extraartikuläre Arthrodese.

Arthritis


Die Arthritis ist eine infektiöse Entzündung eines Gelenks. Die Arthritis beginnt immer akut und primär in der Synovialis (Gelenkinnenhaut) mit den typischen Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerz, Funktionseinschränkung, Hitze). Der Hund lahmt - desto mehr der Hund belastet wird, desto mehr verstärkt sich auch das Lahmheitsbild. Bei einer Arthritis degeneriert der Gelenkknorpel und löst sich auf. Es folgen i.d.R. Schäden im Gelenkknorpel, die zur Osteochondtritis dissecans (OCD) führen können.

Die Zerstörung des Gelenks kann auch nach Abheilen der aktuten Entzündung fortschreiten, ein Grund dafür ist, dass sich durch die Entzündung die Belastungssituation des Gelenks verändert. Dadurch kann es zu einer chronischen Synovitis (Entzündung der Synovia, der Gelenksflüssigkeit) kommen. Eine Arthritis kann auch zu einer späteren Arthrose des Gelenks führen.

Ursachen der Arthritis:


Trauma (Verletzung, Unfall), Überbelastungssituationen, Infektion (z.B. Borreliose - Zeckeninfektion), Durch eine offene Verletzung im Gelenkbereich können eintretenden Keime eine infektiöse Entzündung verursachen. Aber auch: Intraartikuläre Injektionen (Spritzen in das Gelenk hinein, die nicht ganz steril waren) oder wenn ein infektiöser Prozeß aus den periartikulären Weichteilen auf das Gelenk übergreift.

Therapiemöglichkeiten:

Der Tierarzt verabreicht entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. Der Hund sollte sich schonen und das Gelenk sollte ruhig gestellt werden. Eine Kryotherapie (Kältetherapie) oder eine Behandlung mit einem Topfenkwickel unterstützt schonend den Heilungsprozeß. In schwerwiegenden Fällen wird der Tierarzt zu einer Gelenkspülung oder Gelenkpunktion raten.

Arthrose bzw. Osteoarthrose

Die Arthrose beschreibt einen grossen Formenkreis von sog. degenerativen Gelenkerkrankungen. Hunde, die an einer Arthrose erkrankt sind, zeigen chronische und immer wiederkehrende Schmerzen, Lahmheiten und eine stetig zunehmende Verminderung der Gelenkbeweglichkeit.

Zum verbesserten Verständnis der Entstehung und der Bedeutung von Gelenkarthrosen hier erst einmal einige allgemeine Informationen zu den Aufgaben eines Gelenkes:

Die Aufgaben eines Gelenkes sind:

1. Bewegung (ein Flüssigkeitsfilm, der von der inneren Gelenkschleimhaut gebildet wird, schützt das Gelenk bei Bewegung)
2. Stoßdämpfer (ein glatter und elastischer Überzug, der sogenannte Gelenkknorpel - hyaliner Knorpel - wirkt als Stoßdämpfer)
3. Halt (Gelenke haben wichtige Band- und Kapselstrukturen, die bestimmte Bewegungen zulassen und bestimmte verhindern)

Gelenke bestehen aus mehreren Teilen von Knochenstrukturen. Sie alle können in unterschiedlichem Maße betroffen sein, wenn ein Gelenk an Arthrose erkrankt. Insbesondere betroffen ist der Gelenkknorpel und Gelenkinnenhaut (Synovialmembran).

Entwicklung der Arthrose:

Im Mittelpunkt aller Gelenkerkrankungen steht die Degeneration des Knorpelgewebes. Man teilt die Arthrose in zwei Stadien auf :

1.) Frühstadium (primäre Arthrose). Im Frühstadium ist oft eine kleine Fläche, vom Schaden im Knorpelüberzug, auf dem Röntgenbild zu erkennen (Knorpelschaden). Kurz darauf treten erste Verdichtungen des Knochens, der unterhalb des erkrankten Knorpels liegt, auf. Sobald eine Knochenveränderung zu erkennen ist und bei entzündlich bedingter Schrumpfung der Gelenkkapsel, sprechen wir von Arthrose.

2.) Spätstadium (sekundäre Arthrose). Zwischen dem Früh- und dem Spätstadium können viele Jahre liegen. Viele Arthrosepatienten befinden sich deshalb in einem Zwischenstadium. Im Spätstadium ist der Gelenkknorpel zum Teil vollständig abgerieben und verschwunden. Hierdurch reibt der freiliegende Knochen direkt auf dem Knochen der Gegenseite. Der physiologisch vorhandene Gelenkspalt ist deshalb verschwunden. Der Knochen ist wesentlich dichter und härter (keine Stoßdämpferfunktion mehr) und im Röntgenbild deutlich erkennbar. An den Rändern der Gelenke sind große knöcherne Ausziehungen (Osteophyten). Diese führen zu einer Verbreiterung des Gelenkes. Diese Knochenzacken können sich bei bestimmten Bewegungen auch berühren und Schmerzen auslösen.

Ursachen der Arthrose:


Unfälle (Knochenbrüche), Gelenktraumata (Gelenkverletzungen), Gelenkinstabilitäten (Coxarthrose als Folge z.B. der Hüftgelenksdysplasie oder die Gonarthrose als Folge der Instabilität des Kniegelenks nach Kreuzbandrupturen), angeborene Fehlformen (X- oder O-Beine) Stoffwechselstörungen, Wachstumsstörungen (wie z.B. Fragmentierter Proc. Anconaeus), Ernährungsfehler, Osteoporose
Entzündliche Gelenkprozesse (Borreliose, Arthritis etc.)

Folgen einer Arthrose:


Schmerzen (hier v.a. 1. Anlaufschmerz, 2.Belastungsschmerz, 3. Ruheschmerz), leichte bis hochgradige Lahmheit, Schwellungen
Muskelverspannungen (Muskelhypertonus), Muskelatrophien, Entzündungsschübe, Ergußbildung, Begleitende Kapsel-Bandverletzungen
Verdickungen und Verformungen (Deformitäten), beginnende Bewegungseinschränkung durch Knochenanbauten (Kapselmuster: Bedeutet, das bestimmte Bewegungen in bestimmter Reihenfolge einschränken) bis hin zu Kontrakturen (Verkürzungen im Bewegungsapparat). 

Instabilität des Gelenkes
Für jedes Gelenk und jedes Stadium sind das Ausmaß und die Ausprägung dieser Vorgänge aber sehr verschieden. Man unterscheidet zwischen vielen verschiedenen degenerativen Gelenkerkrankungen.

Die am häufigsten vorkommenden sind die Coxarthrose (Arthrose am Hüftgelenk, oft einhergehend mit HD) und die Gonarthrose (Arthrose am Kniegelenk, oft Folge von Kreuzbandrupturen).

Die medikamentöse Therapie umfasst die Gabe von Schmerzmitteln, Antiphlogistika, Lokalanästhetika.

Neben physiotherapeutischen Anwendungen (passive und aktive Bewegungsübungen) haben sich auch die Gabe von Glycosamin-Glykanen wie z.B. die orale Gabe von Chondrotoinsulfat (z.B. Canosan) bewährt, denn diese sollen beim Hund den Knorpelabbau hemmen. Entzündungshemmend ist ebenfalls die Gabe von ungesättigen, essentiellen Fettsäuren im Futter.

Bandscheibenvorfall

Unter einem Bandscheibenvorfall versteht man die plötzliche oder langsam zunehmende Verlagerung, bzw. den Austritt von Gewebe des Nucleus pulposus (= Gallertkern der Bandscheibe) einer Bandscheibe in den Rückenmarkskanal (Spinalkanal).

Hierbei kann es durch Druck auf Nervenwurzeln zu Schmerzen, Lähmungen und / oder Gefühlsstörungen kommen. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) treten wesentlich häufiger auf als Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule (HWS).
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Blutegel-Therapie

Man nennt die Blutegel-Therapie auch Mikro-Aderlass. Sie gehört zu den ältesten Therapieformen und gewinnt wieder stark an Beliebtheit. Einsatzgebiete in der Hunde-Physiotherapie findet die Behandlung mit Blutegeln bei folgenden Indikationen:

Arthrose (Cox- und Gonarthrose), Patellaluxation, traumatisch bedingte Arthritis, Sehnenentzündung, OCD. Man kann den Blutegel aber auch an spezielle Akupunkturpunke ansetzen.

Der Blutegel saugt ca. 20-50 ml Blut. Durch die Wunde fließt etwa die gleiche Menge Blut beim Nachbluten ab. Infolge seiner ziehharmonikaartig gefalteten Haut ist der Egel in der Lage, das 6-10-fache seines Körpervolumens aufzunehmen. Nachdem er gebissen hat, sondert er seinen Speichel in die Wunde. In diesem Speichel befinden sich mehrere Wirkstoffe, wie: Saliva (d.i. Blutegelspeichel), Hirudin (das bewirkt eine schnelle Gerinnungshemmung des Blutes, indem es das für die Gerinnung nötige Thrombin inaktiviert), Calin (das sorgt für eine ca. 12-stündige Hemmwirkung auf den Verschluss der Wunde, ist daher für das lange Nachbluten verantwortlich (was auch unbedingt erwünscht ist) u.a.

Hat der Egel angedockt (gebissen), beginnt er mit wellenartigen Bewegungen zu saugen. Nach Beendigung des Saugvorgangs lässt sich der Egel einfach fallen. Nachdem der Egel abgefallen ist, kommt es zum Nachbluten der Wunde. Dies kann bis zu 48 Stunden dauern und ist therapeutisch sinnvoll und gewünscht.

Der Egel erscheint vielen Menschen als ekelig, doch sind es sensible Tiere, die auf Unruhe und Gerüche schnell reagieren. Sie besitzen eine sehr schöne Rückenzeichnung und leben in sauberen und kalkarmen Gewässern. Sie benötigen nur alle 1-2 Jahre eine Mahlzeit und können bis zu 30 Jahre alt werden. Weitere Informationen zum Thema Blutegel finden Sie unter
www.blutegel.de

Cauda Equina Kompressionssyndrom (= Degenerative Lumbosakrale Stenose)

Als Cauda Equina Kompressionssyndrom bzw. Degenerative Lumbosakrale Stenose wird beim Hund das Zusammentreffen von folgenden Erkrankungen beschrieben:

1. Ventrale Einknickung des Os Sacrum (lumbosacrale Stufenbildung)
2. Stenose: Verengung des Wirbelkanals
3. Reaktive Verdickung des Ligamentum flavum und des Ligamentum longitudinale dorsale, ausgelöst durch die chronische Verspannung
4. sekundäre Protrusion des Annulus fibrosus. Dadurch kann es zu neurologischen Ausfällen kommen (Hyperästhesie in der Lenden- und Kreuzbeingegend; Störungen der Stellreflexe; Ataxien, Paresen, Harn-, Kotinkontinenz)
5. Spondylitis (sterile Entzündung des Wirbelsäulen-Kanals und damit Knochenreizung an der Foramina intervertebralis

Ursache des Cauda Equina Syndroms ist oft eine Beckeninstabilität bzw. Gelenkinstabilität.

Als Operation wird oftmals eine Laminektomie durchgeführt. Bei einer Laminektomie wird das Wirbeldachstück operativ entfernt und damit reduziert sich der Druck auf den Rückenmark-Kanal.

Symtome des Cauda-Equina-Kopressions-Syndroms beim Hund können sein:
Lahmheiten, Ataxien, Paresen, Veränderungen in der Gangweise des Hundes ("Ballerinatanz"), Schmerzen (Aufstehen, Hochspringen, Hindernis)
Hyperästhesie (Kämmen in der Beckengegend)
Selbstverstümmelung in der Schwanzregion (Grund: reduziertes Schmerzempfinden des Hundes in der Region)
Wichtig ist die (wie immer übliche) Tierärztliche Abklärung, ob es sich bei vorliegenden Symptomen nicht um ähnliche Symptomatiken handelt, wie z.B. Dysplasien, Rückenmarks-Erkrankungen etc. 

 Cushing-Syndrom (Hyperkortisolismus)

Das Cushing-Syndrom wurde nach ihrem Entdecker, einem amerikanischen Neurochirurgen namens Harvey W.C. Cushing (1869 – 1939) benannt. Das Cushing Syndrom wird auch als Hyperkortisolismus oder Hyperadrenokortizismus beschrieben. Dieses hormonell bedingte Krankheitsbild wird ausgelöst durch eine chronische Überproduktion des Hormons Cortisol, welches als körpereigenes Hormon in den Nebennieren gebildet wird. Diese Störung kann in der übergeordneten Steuerungszentrale Hypophyse oder in der Nebenniere selbst vorliegen.

Neben dem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) gehört das Cushing-Syndrom beim Hund zu den häufigsten hormonell bedingten Erkrankungen. Unterschiedliche Ursachen führen zu einer vermehrten Ausschüttung des Hormons Cortisol in die Blutbahn. Durch den starken und vielfältigen Einfluss des Cortisols auf nahezu alle Körpergewebe des Hundes bleiben die Symptome nicht auf ein Organ beschränkt, sondern erfassen eine ganze Reihe von Körperfunktionen, entsprechend können eine Reihe von Symptomen auftreten. Beim Hund ist die häufigste Ursache eine tumoröse Veränderung der Hypophyse. Dies wird als hypophysäres Cushing Syndrom beim Hund bezeichnet (ca. 80-90% der Fälle).

Mögliche Symptome des Cushing-Syndroms können sein:
Polyurie (krankhaft erhöhte Urinausscheidung), Polydipsie (pathologisch gesteigertes Durstgefühl, übermäßige Flüssigkeitsaufnahme durch Trinken), Veränderungen des Habitus: Muskelatrophie, Adipositas etc.
Veränderungen des Fells: z.B. Alopezie (ausbleibender Haarwechsel), Muskelschwäche, rasche Ermüdung, rezidivierende Infekte 

 Denervation / Denervierung

Unter der Denervation versteht man i.A. die partielle oder totale Trennung eines Organs von seinen nervalen Verbindungen. Dabei wird die Methode der "Neurektomie", "Neurotomie" bzw. "Sympathektomie" angewandt, auch möglich ist die zeitweise Denervation durch die medikamentelle Unterbrechung der Leitungsbahnen (Novocain-Blockade).

Dreifachbecken-Osteotomie

Die "Dreifach-Osteotomie mit Beckenschwenkung" (auch: "Dreichfachbeckenosteotomie" nach Tönnies / Kalchschmidt) ist als Operationsmethode bei sehr jungen Hunden mit deutlicher Dysplasie der Hüfte aber ohne osteoarthrotische Veränderungen sinnvoll.

Das Becken wird an drei Stellen durchtrennt und nach einer Schwenkung, die der natürlichen korrekten Stellung von Becken zu Oberschenkelkopf möglichst entspricht, mittels Osteosynthese (z.B. Platten und Schrauben) wieder fixiert.

So soll durch die Korrektur der Fehlstellung, bereits vor dem Auftreten von Arthrosen im weiteren Wachstum die Gelenksituation nachhaltig verbessert werden.

ED (Ellenbogengelenk-Dysplasie)

 
Eine "Dysplasie" meint im Allgemeinen eine erbliche oder traumatische Fehlentwicklung von Organen. Bevorzugte Rassen sind mittelgrosse und grosse Rassen, z.B. Rottweiler, Berner Sennenhund und Retriever.

Ursachen einer Ellenbogengelenk-Dysplasie sind:

1. Starke Überbelastung in der Wachstumsphase, lange anstrengende Spaziergänge, Fahrradfahren oder übermässiges Treppensteigen.
2. Zu reichliche Fütterung, "hochwertiges" Welpenfutter oder Zufügen von extra Vitaminpräparaten an das ausgewogene Futter, denn dies bewirkt eine Störung des Calcium/P-Verhältnisses.
3. Erbliche Veranlagungen
4. Unfälle, schwere Stürze, Verstauchungen, Brüche und Tumore können ebenfalls eine Ellenbogengelenk-Dysplasie verursachen.

Mögliche Symptome der ED (Ellenbogengelenk-Dysplasie):

Der Hund leidet unter schmerzhafter Lahmheit, bewegt sich nur, wenn es eben sein muss, und auch die Gliedmassen können Fehlstellungen aufweisen. Die Beschwerden treten meistens während der stärksten Wachstumsphase, also zwischen dem vierten bis achten Monat auf. Es ist wichtig, gute Röntgenaufnahmen zu machen, um zu einer richtigen Diagnose zu kommen.

Eine Ellenbogengelenk-Dysplasie tritt auf, wenn der Hund eine oder mehrere der folgenden Erkrankungen aufweist:

OCD: Osteo Chondrose Dissecans
FPC: Fragmentierter Processus Coronideus medialis (Short Radius Syndrom).
IPA: Isolierter Processus Anconaeus (Short Ulna Syndrom).

FPC: Fragmentierter Processus Coronoideus

An der Innenseite des Ellenbogens finden wir an der Ulna (Elle) ein Kochen-Stückchen, das den Namen Processus Coronoideus trägt. Wenn er während der Wachstumsphase es Hundes nicht richtig verknöchert, ist er instabil und kann "abbröckeln", um dann lose im Gelenk liegen zu bleiben.

Diese abgelösten Stücke verursachen immer einen Verschleiss im Gelenk (Arthrose). Es ist sehr schmerzhaft. Die Probleme treten meist ab dem 3. bis zum 10. Lebensmonat beim Hund auf. 50% der Patientenhunde zeigen beidseitige Symptome. Nach drei Wochen kann sich bei konsequenter physikalischer Therapie eine mögliche Besserung einstellen.

Hüftgelenksdysplasie (HD)

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine degenerative und kongenitale (angeborene) Erkrankung des Hüftgelenks. Falsche Bewegung, falsche Ernährung und Haltung können die Entstehung bzw. das Fortschreiten der Hüftgelenksdysplasie begünstigen. Bei der Hüftgelenksdysplasie spricht man deshalb auch von einer sog. multifaktoriellen Erkrankung.

Mögliche Symptome der HD sind: Schmerzhaftigkeit des Hüftgelenks (Art. coxae), da der Oberschenkelkopf im Acetabulum (Hüftgelenkspfanne) nur ungenügenden Halt findet. Durch seine abnorme Beweglichkeit kommt es zur Reizung der Nervenfasern der Knochenhaut (Periost) des Pfannenrandes. Es kann zu Schmerzen infolge fortschreitender degenerativer Veränderungen (Cox-Arthrosen) des Hüftgelenkes kommen.

Eine beginnende HD kann sich in zunehmenden Schmerzen äußern. Manche Hunde reduzieren die Länge des Spaziergangs oder setzen sich öfter hin, andere schreien beim Spielen ab und zu auf, andere zeigen ein instabiles Gangbild. Bei Bewegungen des Gelenkes kann es zu Krepitationen kommen (Knirschen des Gelenks).

Eine zuverlässige Möglichkeit zur Erkennen des Schweregrades der Hüftgelenksdysplasie bildet die Röntgenuntersuchung (RTG-Lagerung). Da dabei die Gelenke schmerzhaft überstreckt werden müssen, muss wird das Röntgen unter Narkose durchgeführt.

Die folgende Tabelle zeigt die Auflistung der Schweregrade der HD:

A HD-Frei In jeder Hinsicht unauffällige Gelenke, Norberg-Winkel* 105° oder mehr. Manchmal noch A1 wenn der Pfannenrand den Oberschenkelknochen noch weiter umgreift.
B HD-Verdacht Schenkelkopf oder Pfannendach sind leicht ungleichmäßig und der Norberg-Winkel beträgt 105° (oder mehr), oder Norberg-Winkel kleiner als 105° aber gleichförmiger Schenkelkopf und Pfannendach.
C Leichte HD Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind ungleichmäßig, Norberg-Winkel 100° oder kleiner. Eventuell leichte arthrotische Veränderungen.
D Mittlere HD Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind deutlich ungleichmäßig mit Teilverrenkungen. Norberg-Winkel > 90°. Es kommt zu arthrotischen Veränderungen und/oder Veränderungen des Pfannenrandes.
E Schwere HD Auffällige Veränderungen an den Hüftgelenken (Bsp. Subluxationen), Norberg-Winkel < 90°, der Pfannenrand ist deutlich abgeflacht. Es kommt zu arthrotischen Veränderungen.
* Norberg-Winkel ist der Winkel, der zwischen dem Zentrum des Oberschenkelkopfes und dem vorderen Pfannenrand abgetragen wird.

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist nicht heilbar. Man kann allerdings - z.B. mit der Hundephysiotherapie das Auftreten klinischer Symptome und das Fortschreiten der Krankheit hinauszögern, bzw. die Schmerzen reduzieren. Je häufiger der Hund bestimmte Bewegungsabläufe ausführt, desto schneller verschleißt die Hüfte. Zu diesen Bewegungen gehören vor allem jene, die die Gelenke besonders stauchen, wie Treppenlaufen, Springen auf harten Untergründen und ähnliche. Man kann dem Hund mit frühzeitigem Erkennen und richtigem Umgang mit der Krankheit ein normales Leben ermöglichen.

Behandlungsmöglichkeiten:


Medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (Antiphlogistika)
PIN-Operation: Durchtrennung oder Entfernung des Musculus pectineus sowie Umschneiden des Gelenkkapselrandes zur Unterbindung der schmerzleitenden Nervenfasern. Dies ist eine sehr effektive Schmerztherapie, deren Wirkung mehrere Jahre anhält. Allerdings schreitet die arthrotische Veränderung des Gelenkes unvermindert fort.
Dreifach-Becken-Osteotomie: Dazu werden alle drei Beckenknochen (Darmbein, Sitzbein und Schambein) durchtrennt, das Becken etwas zur Seite gekippt und die Knochen anschließend wieder durch Osteosynthese verbunden. Ziel ist es, dass der Oberschenkelkopf wieder besser zur Hüftgelenkspfanne steht. Diese Operation ist aufwändig und nur bei jungen Hunden anzuraten, bei denen noch keine sichtbaren Veränderungen an der Gestalt des Femurkopfs im Sinne einer beginnenden Arthrose bestehen.
TEP-Operation: Einsetzen einer Totalendoprothese (Künstliches Hüftgelenk)
Femurkopfresektion: Dabei wird der Gelenkkopf des Oberschenkelknochens (Caput ossis femoris) entfernt, worauf sich eine bindegewebige Verbindung zwischen Becken und Oberschenkelknochen entwickelt. Verbunden mit intensiver Physiotherapie bietet diese Methode gute Chancen, ein schmerzfreies Leben zu führen. Häufig bleibt durch diese Behandlungsmethode jedoch eine dauerhafte Funktionsstörung zurück.
Goldakupunktur: Einsetzen von einem oder mehreren Goldstiften in die Muskulatur an Akupunkturpunkten. Die Goldstifte verbleiben in der Muskulatur.
Prophylaxe:

Eine Verhinderung des Fortschreitens der Hüftgelenksdysplasie kann durch richtige Ernährung und nicht zu viel Hundesport (Dog Dancing, Agility etc.) - vor allem durch Wenigbelastung und das Vermeiden von Stauchungen und/oder Überdehnungen des Hüftgelenkes - erreicht werden.

Eine Physiotherapie kann durch den gezielten Aufbau der Becken- und Oberschenkelmuskulatur das Hüftgelenk entlasten. Die Zugabe von knorpelaufbauenden Zusatzfuttermitteln ist ebenfalls sehr hilfreich.

IPA: Isolierter Processus anconaeus

Das Krankheitsbild des IPA (Isolierter Processus anconaeus) zählt zu den Ellenbogengelenk-Dysplasien. Hierbei finden wir eine Abtrennung des Krümmungsfortsatzes des Ellenbogenhöckers. Es ist nur mit Knorpel am Knochen verbunden und somit an dieser Stelle gegen mechanische Einwirkung geschwächt. Der Processus Anconaeus (PA) kann abreissen. In 30 Prozent der Fälle kommt die Erkrankung des Isolierter Processus anconaeus beidseitig vor. Das abgelöste Processus Anconaeus muss operativ entfernt werden. Eine Verbesserung des Zustandes zeigt sich relativ rasch, wenn der arthrotische Verschleiss noch nicht zu fortgeschritten ist. 

Interstitium (Stroma)

Als Interstitium (lat. "Zwischenraum"), auch Stroma genannt, bezeichnet man das parenchymatöse Organe (innere Organe, wie Niere, Herz etc.) durchziehende und untergliedernde Zwischengewebe. Es handelt sich zumeist um Bindegewebe, seltener auch Epithelgewebe oder Muskelzellen.

Im Interstitium verlaufen die Versorgungsbahnen (Blutgefäße, Nerven) des Organs. Es untergliedert das entsprechende Organ in Lappen (Lobi), Läppchen (Lobuli) oder Komplexe. Es besteht nicht aus den organspezifischen Zellen und nimmt damit auch nicht direkt an der spezifischen Organfunktion teil. Die Zellzwischenräume werden von der sogenannten Interstitialflüssigkeit ausgefüllt.

Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur)

Ein Kreuzbandriss ist beim Hund eine der häufigsten Ursachen für orthopädische Eingriffe. Über 80 % aller Kreuzbandrupturen oder Kreuzbandanrisse (die in der Regel zu einem vollständigen Riss führen), ist das Band beim Hund meist degeneriert und somit vorgeschädigt. Ursachen hierfür können ein starkes Trauma oder degenerative Bandveränderungen sein (altersbedingt oder immunologisch). Die Ruptur tritt meist wärend normaler Aktivitäten auf (Spielen etc.).

Typischer Krankheitsverlauf: zunächst beobachtet die/der BesitzerIn kurze Lahmheiten in der Hinterhand (meist über 2-3 Tage). Dann zeigt der Hund wieder für einige Wochen keine Lahmheit an. Dies trügt leider, denn dies waren die ersten Zeichen für einen Kreuzband(an)riss. Wenn der Hund dann wieder frei und normal laufen kann, kommt es plötzlich zu einer hochgradigen Lahmheit, meist nach plötzlichen Drehbewegungen während des Spielens.

Das Kreuzband ist nun vollständig gerissen, es kommt zu einer Instabilität des Kniegelenks. Der Patientenhund zeigt nun für wenige Tage (1-2 Tage) eine hochgradige Lahmheit, die betroffene Gliedmasse wird nicht belastet, danach wird sie wieder besser belastet. Leider wird diese vermeintliche "Besserung" als "Regeneration" missgedeutet. Nach Belastungsphasen kommt es beim Patientenhund zu einer Verschlimmerung der Lahmheit.

Man kann einem Hund auch den Kreuzband(an)riss ansehen: Wie sitzt Ihr Hund? Streckt er die betroffene Gliedmaße im "Sitz" zur Seite ? Dann verursacht die Flexion (Beugung) des Kniegelenkes Schmerzen. Mit der Ruptur des vorderen Kreuzbandes (Lig. cruciatum craniale) sind häufig Meniskusläsionen (Meniskusschäden) kombiniert. Der mediale Meniskus wird dabei häufiger geschädigt als der laterale, allerdings werden Meniskusschäden bei kleineren Rassen (auch Katzen) selten beobachtet.

Das gerissene Kreuzband kann unter keinen Umständen wieder zusammenwachsen. Eine Operation ist erforderlich, bei der das gerissene Kreuzband ersetzt wird. Durch rechtzeitige operative Stabilisierung soll eine weitere Schädigung des Kniegelenks verhindert werden.

Nach einem operativen Eingriff am Knie ist das Tier zunächst ruhig zu halten. Der Hund muß 4-6 Wochen geschont werden und darf nur kurze Spaziergänge an der Leine machen. Zu frühzeitige und zu starke Aktivität kann zu einer erneuten Instabilität und Entzündung im Knie führen.

Leider ist die Folge von Kreuzbandanrissen und -rissen in den folgenden Lebensjahren zumeist eine Arthrose im Kniegelenk , wovon insbesondere größere Rassen betroffen sind. Deshalb ist es ratsam, nach der Operation physiotherapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Auch die Goldakupunktur kann postoperativ eingesetzt werden.

Ligamenta cruciata (Gekreuzte Kniegelenksbänder)
Diese bestehen aus dem Lig. cruciatum craniale (vorderes Kreuzband) und caudale (hinteres Kreuzband). Sie sind starke rundliche Bänder, die in der Fossa intercondyloidea des Os femoris (Oberschenkelknochen) zwischen beiden Synovialsäcken liegen. Sie kreuzen sich X-förmig, daher der Name Kreuzbänder. 

Kreuzbein

Das Kreuzbein (Os sacrum) ist ein Knochen des Rumpfes beim Hund, der aus drei Kreuzwirbeln besteht, die mitsamt den Zwischenwirbelscheiben miteinander knöchern verwachsen sind. Dadurch fehlt dem Kreuzbein jede Beweglichkeit. Die endgülige Verbindung der Kreuzbeinwirbel ist beim Hund mit ca. 6 Monaten abgeschlossen.

Das Os sacrum besteht aus der cranial liegenden breiten Basis, dem ossis sacri und dem caudal sich verjüngenden Apex ossis sacri. Die Fascies articularis der Pars lateralis ossis sacri bildet mit der gleichnamigen Gelenkfläche der Fascies sacropelvina ossis ilii die Articulatio sacroiliaca. Diese verbindet die Beckengliedmasse straffgelenkig mit dem Rumpf.

Lymphdrainage (Manuelle Lymphdrainage)

Die Manuelle Lymphdrainage wurde vor 50 Jahren von dem dänischen Physiotherapeuten Dr. Emil Vodder in seinem Institut für physikalische Therapie in Cannes entwickelt. Eine Lymphdrainage wird bei Erkrankungen angewandt, die mit Schmerzen, Narbenverhärtung, Lymphgefäßentfernungen und Ödemen zu tun haben. Auch bei Lähmungsödemen und Inaktivitätsstauungen ist die Lymphdrainage erfolgreich einsetzbar.

Folgende Anwendungsgebiete sind hier im Überblick aufgeführt:

Sekundäres Lymphödem (erworben), primäres Lymphödem ( angeboren), Lähmungsödem, Schmerzen, Lymphgefäßentfernung Narbenverhärtung, Narbenschwellung, Inaktivitätsödem, Verbrennungsödem
Bei der Lymphdrainage ist es sehr wichtig, dass der Hund eine entspannte Haltung einnimmt, damit die Lymphgefäße besser arbeiten können. 

 Massage

Die Massage ist eine der ältesten Behandlungsformen in der Entwicklung der Geschichte der Medizin. Richtig bekannt und auch als Heilverfahren anerkannt wurden Massagen aber erst im 20. Jahrhundert. Der holländische Arzt G. Mezger und der russische Dr. Zabludowski machten die Massage auch bei uns bekannt und im Gebrauch üblich.

Die klassische Massage beinhaltet verschiedene Techniken, bei denen u.a. Druck und Zug auf das Gewebe ausgeübt wird, sei das nun mit Streich- Knet-, Vibrations-, Walk- oder Reibebewegungen. Ausserdem können auch Hackungen, Klopfungen oder Klatschungen eingesetzt werden. Als Reiz- und Regulationstherapie gehört die Massage in die Hände eines Physiotherapeuten. Bei der Massage werden der Blut- und Lymphstrom angeregt; damit wird der Körper entschlackt und entgiftet. Auch Probleme am Bewegungsapparat wie: Verspannungen und Verkrampfungen der Muskulatur, lassen sich mit gezieltem Einsatz der entsprechenden Form der Massage lösen.

Muskelriss (Muskelruptur)

Ein Muskelfaserriss bzw. eine Muskelruptur ist eine meist sichtbare Unterbrechung der Muskelstruktur (teilweise als "Delle" sichtbar und palpierbar). Ursache sind Maximalbelastungen in nicht ausreichend erwärmter Muskulatur, sowie unverhältnismäßig starke Überdehnung.

Vor allem im Hundesport (z.B. Rennhunde) treten recht häufig Verletzungen im Bereich der Hunde-Muskulatur auf. Die häufigsten Verletzungsformen im Bereich der Muskulatur sind die Muskelzerrungen, die Muskelfaserrisse und der Muskelriss, in individuell unterschiedlichem Ausmaß und abhängig vom Trainingszustand des Hundes.

Muskelzerrung: Man spricht von einer Muskelzerrung, wenn der Muskel über sein physiologisches Maß hinweg gedehnt wird. Die anatomische Struktur des Muskels verändert sich bei einer Zerrung nicht. Erst wenn über diese Muskelzerrung hinweg die Kraft, bzw. die Belastung des Muskels weiterhin überschritten wird, treten Verletzungen wie Muskelfaserrisse oder gar Muskelrisse ein.

Muskelfaserriss: Im Falle eines Muskelfaserrisses reißen die sehr kleinen Muskelfasern ein.

Muskelriss: Bei einem Muskelriss wird der Muskel als solches vollständig durchtrennt. Da der Muskel als solches recht widerstandsfähig ist, treten Muskelrisse nur dann auf, wenn der Muskel unter maximaler Beanspruchung steht.

Die Muskelzerrung, der Muskelfaserriss und der Muskelriss stellen also ein und dieselbe Muskelverletzung dar, die sich nur in der Schwere der Verletzung unterscheidet.

Therapeutisch werden Verletzungsformen im Bereich der Muskulatur in der Physiotherapie mit Elektrotherapie behandelt. Hierbei nutzt man die Galvanisation (konstanter Gleichstrom, steigert die Reaktions- und Funktionsfähigkeit motorischer Nerven), die Iontophorese, Interferenzstrom als Schmerzbehandlung (Mittelstrom, 1000 Hz – 1000 kHz) und die Ultraschalltherapie (über 1000 kHz). Bei der Ultraschalltherapie kommt es durch die Schallwellen zu einem Druckwechsel im Gewebe, wodurch eine mechanische Vibrationswirkung ausgelöst wird. Ein Teil der Schallenergie wird zusätzlich in Wärme umgewandelt, wodurch eine thermische Wirkung entsteht. Durch die Wirkung des Ultraschalls und dessen Reflektion am Knochen entsteht im Weichteilgewebe eine so genannte „Mikromassage“. Diese Therapieform ermöglicht ein Eindringen der Schallwellen bis in eine Tiefe von etwa 6 cm, löst Verklebungen auf und ermöglicht ein Auflockern der Muskulatur und regt somit in besonderer Weise die Regeneration an.

Neuraltherapie

Bei der Neuraltherapie verwendet man Lokalanästhetika zu therapeutischen und/oder diagnostischen Zwecken. Man versteht darunter die Injektion von Lokalanästhetikalösungen (1% Lidocain oder Procain ohne Vasokonstriktionseffekt), unter anderem auch in Akupunkturpunkte. Dabei können Stoffwechselschlacken aus den gestörten Regionen über die Lymphe zum Abfluss gebracht werden.

Basierend auf den Erkenntnissen des sog. segmentalen Körperbaus schliesst man, dass Reizzustände von Organen immer ontogenetisch in Zusammenhang stehende Strukturen (z.B. die Haut, die Muskulatur, die Knochen über Nerven und Gefäße) mit einschliessen.

Für die Diagnostik der zu akupunktierenden Punkte wendet man die Methode nach Kibler an, die auch unter dem Namen "Kiblerscher Hautfaltentest" bekannt ist. Danach palpiert man die Haut z.B. den Rückenbereich, indem man die Haut des Tieres leicht anhebt und durch die Finger von caudal nach cranial gleiten läßt. Wenn sich die Haut an einigen Stellen nicht leicht abheben und verschieben läßt, dann deutet dies auf Muskelverhärtungen oder Gelosen hin, die Tiere zeigen zudem meist Zeichen von Abwehr oder Schmerz.

OCD: Osteo Chondrose Dissecans

Osteo Chondrose Dissecans ist eine Erkrankung am Bewegungsapparat des Hundes. Osteochondrosis heisst übersetzt: "Knochen-Knorpel Erkrankung". Der Knochen wächst beim Junghund sowohl in den sog. Wachstumsfugen (Epiphysenfugen) als auch im Bereich der Gelenksflächen. Dabei entstehen durch Zellteilung die Knorpelzellen. Im Laufe der Entwicklung werden diese in Knochenzellen umgewandelt.

Während der Wachstumsphase kann es (meist durch negative Einflüsse) vorkommen, dass Knorpelzellen nicht verknöchern. Diese Stellen bleiben dann dick und sehr empfindlich. Der Knorpel kann sich von der Unterschicht des Gelenks teilweise oder auch ganz ablösen und lose im Gelenk liegen bleiben. Der darunter liegende Knorpel verwächst sich jedoch nicht mit dem abgerissenen Stück und er füllt auch das entstandene "Loch" nicht wieder auf. Durch diese Unregelmässigkeiten im Gelenk entsteht Verschleiss. OCD zeigt sich häufig im 4. bis zum 7. Lebensmonat und tritt meist beidseitig auf. Rüden erkranken in der Regel häufiger als Hündinnen.

Nachgewiesen ist, dass eine zu reichliche Fütterung (Welpenfutter!) und damit verbunden ein zu hoher Calciumwert OCD verschlimmert. Eine Operation ist notwendig, garantiert aber keine hundertprozentige Heilung.

Pannikulitis

Die Pannikulitis ist ein multifaktorielles Entzüdungsgeschen, das durch tief in der Haut sitzende Knoten im Unterhautfettgewebe verursacht wird. Die Knoten werden oft zystisch, ulzerieren (Bildung von Geschwüren) und entwickeln nässende Fistelgänge. Man kann es mit einer Bindegewebsstörung vergleichen.
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Panostitis
Panostitis: Eine generalisierte Knochenentzündung beim Hund
© V. Hach, S. Schleich, E. Schimke, M. Kramer, M. Gerwing
(Chir. Vet. Klinik, Universität Giessen)

Die Panostitis ist eine Erkrankung der langen Röhrenknochen bei jungen großwüchsigen Hunden. Die Ätiologie wurde noch nicht vollständig geklärt. Da der Deutsche Schäferhund am häufigsten betroffen ist, gilt eine genetische Disposition als gesichert.

Dämmrich (1979) vermutet ein chronisches Stauungsödem im Markraum des Knochens während der Wachstumsphase infolge Diaphysenkrümmung und venöser Abflußstörung. Schawalder und Mitarbeiter (1994) sehen die Krankheitsursache in einer Durchblutungsstörung des Knochenmarks; vermehrte Eiweißfütterung kommt es im Knochenkompartiment zur Ablagerung von osmotisch aktivem Eiweiß und die Folge ist ein Ödem, das zur Erhöhung des intraossären Drucks und zur Kompression der Blutgefaße im Markraum führt.

An weiteren Ursachen werden Stoffwechselstörungen, Allergien, Parasitosen, Autoimmunreaktionen nach Virusunfektionen sowie Hyperöstrogenismus diskutiert. Männliche Tiere sind offenbar häufiger betroften als Hündinnen.

Die Panostitis betrifft vor allem das Fettmark. Während der cyclischen Krankheitsperioden kommt es zur Degeneration der medullären Fettzellen, die mit Veränderungen des marknahen Trabekelknochens einhergeht. Histologisch ist eine vermehrte osteo- und fibroblastische Aktivität im Periost, im Endost sowie im Markraum zu erkennen. Die periostalen Ossifikationsprozesse sind eine Folge der Umstrukturierung und der Regeneration des Markraumes.

Die klinische Symptomatik beginnt mit der akuten Lahmheit einer Gliedmaße, deren Ausmaß von gering- bis höchstgradig variiert. Es können auch mehrere Gliedmaßen gleichzeitig betroffen sein. Das Durchschnittsalter der betroffenen Tiere liegt zwischen 5 und 12 Monaten, kann sich bei Hunden aber auch bis zum zweiten und ausnahmsweise bis zum fünften Lebensjahr erstrecken. Es werden Entzündungszeichen wie Fieber, Anorexie und in ausgeprägten Fällen auch Apathie beobachtet. Bei länger andauernder Krankheit entsteht eine Muskelatrophie an der betroffenen Gliedmasse. Das akute Stdium kan in eine chronische Verlaufsform mit schubweisen Lahmheitsepisoden in mehrwöchigem Abständen übergehen.

Diagnose: Die Tiere zeigen bei der Druckpalpation der betroffenen Röhrenknochen starke Schmerzreaktionen.

Differentialdiagnose: Es kommen alle Jungtierkrankheiten mit Lahmheiten in Betracht wie Osteochondrosis dissecans, fragmentierter Processus coroncideus medialis, isolierter Processus anconaeus, Hüftgelenksdysplasie, Kreuzbandruptur, Meniskopathie sowie Luxationen und Frakturen in Betracht.

Therapie: Zur symptomatischen Schmerzbekämpfung werden nichtsteroidale Antiphlogistika und in Einzelfällen auch Glukokortikoide eingesetzt. Die Krankheit heilt meistens bis zum 2. Lebensjahr aus. Inwieweit die Reduktion übermässiger Proteinfütterung zu einer Beschleunigung der Heilphase führt ist ungeklärt.

Papillomatose

Die canine Papillomatose ist eine Viruserkrankung des Hundes, die mit einer Warzenbildung einhergeht. In aller Regel befindet sich eine Vielzahl Warzen vor allem an der Haut des Kopfes des Hundes und in der Maulhöhle. Seltener treten sie an den Lidbindehäuten oder an anderen Lokalisationen auf.

Die Inkubationszeit beträgt etwa 4-8 Wochen, eine spontane Selbstheilung wird nach weiteren 4-8 Wochen gesehen. Die Papillomatose tritt nahezu ausschließlich bei jungen Hunden (< 2 Jahre) auf. Offensichtlich sind Hunde nach einer durchgemachten Infektion geschützt oder ältere Hunde sind unempfindlich für eine Infektion. Die Infektionen erfolgen über Hautwunden, die im Maulbereich durch die mechanische Beanspruchung immer vorhanden sind. Obwohl die Viren in der Umwelt sehr stabil sind, ist anzunehmen, dass die meisten Infektionen nach direktem Kontakt mit infizierten Hunden stattfinden.

Die Diagnose kann durch eine histologische Untersuchung einer Gewebeprobe (Warze) gestellt werden. Der Erregernachweis ist durch Darstellung von typischen Papillomvius-Partikeln in verriebenem Warzenmaterial mittels Elektronenmikroskopie möglich. Für beide Untersuchungen ist die Entnahme einer oder mehrerer Warzen und ihre Versendung an die Untersuchungslabors in physiologischer Kochsalzlösung erforderlich.

Eine Therapie ist häufig nicht notwendig. Nur bei mechanisch störenden Zubildungen oder bakteriellen Sekundärinfektionen ist eine operative Entfernung indiziert. Die spontane Heilung der anderen Warzen soll durch diese Maßnahme beschleunigt werden. Eine mögliche Erklärung hierfür wäre die Freisetzung von Antigen während der Operation und eine daraufhin induzierte Stärkung der Immunantwort gegen das Virus. Auch die Herstellung einer tierspeziefischen Vakzine ("Autovakzine") ist möglich. Die Wirksamkeit einer solchen Vakzine ist jedoch nicht erwiesen.

Pfotenreflexmassage

Auch beim Hund und der Katze kann man über die Pfotenreflexmassage (mit einer Bürste oder den Fingern) eineStimultion von propriozeptiver Reize anbahnen.

Dadurch werden die Propriozeptoren in der Peripherie stimuliert (hier an den Extremitäten bzw. den Pfoten). Diese verursachen auf afferenten Nervenbahnen durch spinale Verknüpfungen wieder mögliche, reguläre muskuläre Bewegungsmuster.

Pyometra

Pyometra (griech., pyon „Eiter“; metra „Gebärmutter“) bezeichnet die eitrige Entzündung der Gebärmutter. Synonyme: "Eitrige Gebärmutterentzündung" und "Purulente Endometritis". Die Pyometra kommt vor allem bei Hunden vor.

Spondylose - Spondylosis deformans

Spondylose beschreibt beim Hund eine chronisch verlaufende Erkrankung der Zwischenwirbelscheiben. Diese geht einher mit einem Umbau der Wirbelkörper und einer Exostosenbildung (auch: Spondylosis deformans). Die Spondylose kann beim Hund auch zu neurlogischen Problemen führen.

Zur Spondylose gehören folgende Veränderungen:
1. degenerative Veränderungen der Wirbelkörper mit ventralen Osteophyten-Bildungen
2. Brücken- oder spornschnabelförmige Exostosen (Knochenanbauten) an der Wirbelsäule
3. Protrusion (Degeneration des Discus polposus)
Kommen die folgenden Veränderungen hinzu, spricht man von einer Spondylarthrose:
4. dorsale und ventrale Verkalkungen
5. Radikuläre Schmerzen durch die Exostosen auf die austretenden Spinalnerven
Rassedisposiotionen zeigen sich vermehrt bei großen und mittelgrossen Rassen und bei Boxern (durch deren oft dysplastische Proc. articularis cranialis und caudalis).

Ursachen sind u.a. Hypervitaminose (Fütterung von Katzenfutter) und als multifaktorielle Erkrankung ist die Spondylose oft verursacht durch eine Beckeninstabilität.

Symptomatik:

Die Spondylose ist oft ein Zufallsbefund. Die Verknöcherung ist oft symptomfrei. Die Hunde haben Schmerzen und einen gespannten Gang. Sie zeigen eine gering eingeschränkte Leistungsfähigkeit und eine geringere Bewegungslust. Sie können Paresen (Lähmungserscheinungen) haben. Oft haben sie radikuläre Schmerzen (Nervenschmerzen). Neurologische Ausfälle können durch ruckartige Bewegungen (z.B. Sprünge) ausgelöst werden. Die Hunde zeigen Hyperästhesie (Hypersensibilität), Verspannungen der Rückenmuskulatur, einen aufgezogenen Rücken. SChwere Fälle können auch eine vollständige Lähmung der Hintergliedmasse zeigen und auch harn- und/oder kotinkontinent

Die Hunde-Physiotherapie kann Hunden mit Spondylose gut helfen. Hier ist vorrangiges Ziel die Schmerzlinderung, die Muskelentspannung, der Muskelaufbau und das Beüben der Koordination und des Gleichgewichts zur Herstellung eines physiologischen Gangbildes. Auch die Therapie im Wasserbad (Unterwasserlaufband mit Unterwassermassage) ist sehr hilfreich in der Rehabilitation.

Vestibular-Syndrom ("Schlaganfall")

Der klassische Schlaganfall ("Apoplexie") kommt beim Hund sehr selten vor. Die Symptome einer vestibulären Störung beim Tier sind denen des menschlichen Schlaganfalls jedoch ähnlich. Der Einfachheit halber wird daher meist das relativ häufig auftretende idiopathische/geriatrische Vestibularsyndrom von vielen Tierärzten als Schlaganfall bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Durchblutungsstörung unbekannter Ursache im Gleichgewichtsorgan, v. a. beim alten Hund, die sich aber meist von selbst bessert.

Welche Tiere werden betroffen?

Jedes Tier kann an einer vestibulären Störung erkranken. Am häufigsten kommt sie jedoch bei älteren Hunden sowie Katzen im mittleren Lebensalter vor. Hunde können das ganze Jahr über erkranken, Katzen werden ohne erkennbaren Grund dagegen meist im Spätsommer und Herbst betroffen.

Ursache der Erkrankung?

Es gibt viele Erkrankungen, die das Gleichgewichtsorgan schädigen und die gleichen Symptome verursachen. Ein gestörter Gleichgewichtssinn kann von einer Infektion, von einer Tumorerkrankung oder einer Vergiftung herrühren. Das Vestibularorgan (daher der Name Vestibularsyndrom) befindet sich im Inneren des Ohres und kontrolliert das Gleichgewicht. Deshalb wird es auch "Gleichgewichtsorgan" genannt.

Symptome: Woran erkennen Sie die Erkrankung ?

Das Vestibular-Syndrom tritt meist plötzlich auf. Es ist genauso wie bei einem Schlaganfall: In diesem Moment ist das Tier noch munter und läuft normal herum - im nächsten kann es nicht mehr aufstehen. Die Symptome: Manegebewegung (Kreislaufen), Kopfschiefhaltung, postrotatorischer Nystagmus (Zucken der Augäpfel - diese Augenbewegungen hören gewöhnlich nach einigen Tagen wieder auf), Verwirrtheit. Schwer betroffene Tiere können eventuell nicht mehr aufstehen oder laufen im Kreis, bevor sie umfallen. Die Tiere fühlen sich meist relativ wohl und können auch essen und trinken - vorausgesetzt, sie schaffen es zu ihrem Futternapf. Manchmal erbrechen sie oder verweigern das Futter.

Therapie: Behandlung der Erkrankung

Die Erkrankung normalisiert sich meist von selber. Sie sollten innerhalb von 48 Stunden eine Besserung bei Ihrem Tier feststellen können und in den folgenden zehn Tagen eine schnelle Normalisierung des Allgemeinzustands. Die Normalisierung geht dann langsamer über die folgenden vier Wochen weiter. Nur wenige Tiere behalten eine ständige leicht schräge Kopfhaltung, die aber meist mit Physiotherapie korrigierbar ist.

Falls keine Besserung eintritt, sollten Sie Kontakt mit Ihrer Tierärztin bzw. Ihrem Tierarzt aufnehmen. Eine ursächliche Behandlung gibt es keine. Häufig werden Medikamente wie z.B. Cortison, Aufbaumittel, Karsivan (wirkt ähnlich wie ein Asthmamittel, z.b. Theophyllin - weitet also die feinen Blutgefäße), ASS zur Blutverdünnung oder auch Vitamin B verschrieben.

Wickel / Kompressen

Eine sehr alte und profunde Heilmethode sind die Wickel. Sie sind preiswert, sehr effizient und bei richtiger Anwendung ohne Nebenwirkungen.

Kalte Wickel sind dann sinnvoll einsetzbar, wenn dem Körper Wärme entzogen werden soll. Zum Beispiel bei einer akuten Entzündung (z.B. Arthritis) oder bei Fieber. Kalte Wickel werden nur auf warmem Körper angewendet. Wenn Sie dem Wasser etwas Salz oder Essig (2 - 3 EL pro Liter) zugeben, wird der Wickel vom Hund als nicht so unangenehm empfunden. Der feuchtnasse Wickel wird etwa 20 bis 30 Minuten aufgelegt.

Warme Wickel nimmt man dann, wenn dem Körper Wärme (Energie) zugeführt werden soll. Zum Beispiel bei (Muskel-)Verspannungen. Warme Wickel bleiben so lange liegen, bis sie abgekühlt sind oder der Hund Unruhe zeigt. Seien Sie vorsichtig mit der Wärme, um Verbrühungen zu vermeiden.

Ein Wickel besteht aus drei Schichten:

1. Dem Innentuch aus Leinen. Es liegt direkt auf der Haut, wird nass (kalt oder heiß) aufgelegt.
2. Dem Zwischentuch aus Baumwolle. Dieses Zwischentuch sollte etwas breiter sein als das Decktuch.
3. Dem Decktuch aus Wolle. Es hält Kälte oder Wärme zusammen.